Studiobühne Erlangen e.V. freies, unabhängiges Theater für Erlangen

Zwei Zausel in der Warteschleife

godot4Studiobühne Erlangen spielt “Warten auf Godot” – Absurdes beherzt inszeniert

‘Warten auf Godot, die Revolution oder den Postboten – niemand vermag zu sagen, wie das Gezeigte vermutlich zu interpretieren ist. Wir erst recht nicht.’ Die eigene Ratlosigkeit in der Aufführungsankündigung von Samuel Becketts ‘Warten auf Godot’ erfrischend offen auf den Punkt gebracht, was hier zu einer ebenso erfrischenden Befreiung führt – und deshalb zu einer beherzten Inszenierung: Die Studiobühne Erlangen widmet sich in der E-Werk-Clubbühne eines Klassikers des absurden Theaters.

Beckett hat mit Shakespeare gemein, dass man beinahe alles mit ihm anstellen kann. Und so geht Regisseur Michael Hörner volles Risiko und lässt seine Inszenierung als expressiv gespieltes Kabarett-Programm über die Bühne gehen. Die nahezu leer ist: Allein der berühmte Baum, hier als eingetopfter Bretter-Symbolismus zu sehen, steht als nacktes Dekor herum, derweil das im Quadrat auf den Boden aufgeklebte Klebeband die hospitalisierten Laufwege des auf und ab schlurfenden Estragon festlegt.

Robert Godea gibt ihn als etwas tumben Zausel mit inner Unruhe, der mit sich nicht im Reinen ist. David Becker darf dagegen als Vladimir dem Affen heftigst Zucker geben, seine sich mit ihrem Turnschuh angestrengt beschäftigende Figur kommt als permanent grimassierendes Springteufelchen daher, das stets kurz vor dem Überschnappen steht.Zwei intensive Figuren also, die die von Beckett thematisch ins Bild gesetzte Warteschleife des Lebens so engmaschig wie spannungsvoll mit dan allseits bekannten Absurditätsdialogen und Übersprungshandlungen füllen. Sich aufhängen oder einfach abwarten –  das ist hier die Frage.

In Michael Hörners frechem Regiekonzept ist es darüber hinaus von nachgerade stupender Selbstverständlichkeit, dass der herrische Pozzo von einer Frau gespielt wird: Grazil von Statur, zerrt Anna Beinvogl den körperlich imposanten Chris Meier (als Lucky) als Sklaven im ledernen Geschirr mit sich herum. Ein voluminöser Kontrast, der allein schon druch sein Physis-Gegensatzpaar zum Lachen reizt. Und weil eh schon alles durcheinandergewirbelt wurde, darf Becketts originaler Botenjunge als verquere männliche Barock-Karikatur (Gabor Bozsik) mit Haltungsschäden daherkommen. Niemand weiß, was das alles zu bedeuten hat.

aus den Erlanger Nachrichten
Autor: Manfred Koch



 

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